Neue Technik zur Asthma-Früherkennung entwickelt

Kinder können jetzt schmerzfrei untersucht werden

Hannover/Köln, 02. April 2005. Bis zu 10% aller Schulkinder leiden heute an Asthma bronchiale und bereits bei jedem vierten Kind treten während der Kindheit asthmaähnliche Symptome auf. Tendenz steigend! Der niederländische Arzt Dr. Eric J.W. Maarsingh hat mit seiner Arbeitsgruppe jetzt eine schmerzfreie Untersuchungsmethode entwickelt, mit der sich schon im Säuglings- und Kleinkindesalter die Lungenfunktion bestimmen und die Asthma-typische Verengung der Atemwege nachweisen lässt. Für diese wichtigen Forschungsergebnisse, die die Erkennung eines frühkindlichen Asthmas in Zukunft wesentlich vereinfachen können, wurde der Wissenschaftler jetzt mit dem Klosterfrau Forschungspreis 2005 ausgezeichnet.

Bei älteren Kindern und Erwachsenen ist die Diagnose eines Asthma bronchiale meist nicht schwer. Die Patienten leiden an den typischen Symptomen mit anfallsartig auftretender Atemnot, pfeifender und keuchender Atmung und Husten. Mit einer einfachen Lungenfunktionsmessung, bei der mit einem Gerät die maximal erreichbare Luftströmung beim kräftigen Ausatmen gemessen wird, kann der Arzt die für Asthma typische Verengung der Atemwege nachweisen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Situation wesentlich schwieriger. Zum einen ist die Abgrenzung gegenüber gehäuften Erkältungen mit Bronchitis nicht immer einfach. Zum anderen ist die Messung der Lungenfunktion durch starkes Ausatmen in dieser Altergruppe noch nicht möglich, da hierfür eine aktive Mitarbeit des Patienten erforderlich ist.
Gleichwertige Untersuchungen der Lungenfunktion erfordern ein Eingreifen in den Körper, das vom Patienten häufig als sehr unangenehm empfunden wird und daher für Kinder kaum praktikabel ist. Die Frage, inwieweit die Lungenfunktion bei einem Säugling oder Kleinkind eingeschränkt ist und ob man bereits von Asthma sprechen kann, lässt sich deshalb meist nur anhand der Symptome abschätzen, die von den Eltern sehr subjektiv wahrgenommen werden.

Die Untersuchungen von Maarsingh und seiner Arbeitsgruppe an der Universitätskinderklinik Groningen beruhen auf der Tatsache, dass die Atemmuskulatur bei verengten Bronchien vermehrt arbeiten muss, um den erhöhten Widerstand bei der Ausatmung zu überwinden. Ähnlich wie beim Elektrokardiogramm (EKG) des Herzmuskels kann auch die Aktivität der Muskulatur, die an der Atmung beteiligt ist, über aufgeklebte Hautelektroden erfasst und aufgezeichnet werden. Veränderungen in diesem Elektromyogramm (EMG) könnten damit ein Maß für die Verengung der Bronchialwege sein und Auskunft über die Lungenfunktion geben.

In mehreren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler die Zuverlässigkeit dieser Hypothese bestätigen. Die neue schmerzfreie Methode könnte in Zukunft also wesentlich dazu beitragen, die Abklärung von Atembeschwerden bei Säuglingen und Kleinkindern zu vereinfachen. „Darüber hinaus bietet sie die Möglichkeit, neue Erkenntnisse über Ursachen und Frühformen von Asthma und anderen Lungenerkrankungen zu gewinnen und die Wirksamkeit der Therapie zu kontrollieren“, so der Preisträger. Der mit 30.000 Euro dotierte Klosterfrau Forschungspreis wird jährlich für besonders herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Früherkennung und Heilung des kindlichen Asthmas vergeben.

2005_a_beitrag_140x100 Der Vorsitzende der internationalen Expertenjury Prof. Dr. D. Reinhardt (rechts), Kinderklinikum München, und Dr. Harald Greve (links), Leitung Wissenschaft und Medizin von Klosterfrau, mit dem diesjährigen Preisträger des „Internationalen Klosterfrau-Forschungspreises zur Bekämpfung von Kinder-Asthma“ Dr. Eric Maarsingh von der Universitätsklinik Groningen.

Foto: Klosterfrau-Forschung

 
 


 
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