Neue Erkenntnisse aus der Asthmaforschung

Feinstaubbelastung während der Schwangerschaft
erhöht das Asthmarisiko von Kindern


Berner Forscher mit dem „Klosterfrau Forschungspreis 2009“ ausgezeichnet

Köln, März 2009. Schadstoffe in der Atemluft erhöhen das Risiko für Atemwegserkrankungen bei Kindern. Doch die Gefahr beginnt noch früher, nämlich bereits im Mutterleib, wie Dr. Philipp Latzin vom Kinderhospital in Bern nun zeigen konnte. Seinen Studienergebnissen zufolge hängt die Lungenfunktion Neugeborener eng mit der Schadstoffbelastung der Mutter während der Schwangerschaft zusammen. Zudem fand er schlagkräftige Belege, dass exhaliertes Stickstoffmonoxid, ein Marker für entzündliche Prozesse in den Atemwegen, einen hohen Stellenwert in der frühen Diagnostik von Kindern mit hohem Asthmarisiko haben könnte. Mit seinen innovativen Erkenntnissen lieferte Latzin neue Ansatzpunkte für präventive, diagnostische und therapeutische Strategien bei allergischem Asthma, der häufigsten chronischen Atemwegserkrankung im Kindesalter. Anlässlich der 31. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in Düsseldorf wurde er kürzlich mit dem „Klosterfrau Forschungspreis 2009“ ausgezeichnet.

Dass Schadstoffe in der Luft die Atemwege von Kindern belasten und der Entwicklung von Allergien Vorschub leisten, ist hinlänglich bekannt. Neu ist, dass schon Schadstoffbelastung während der Schwangerschaft, Lungenreifung und spätere Lungenfunktion von Neugeborenen stark beeinträchtigt. Latzin zeigte dies in einer Studie mit 241 gesunden Neugeborenen im Alter von fünf Wochen. Er untersuchte die Lungenfunktion der Kinder und ermittelte die Schadstoffbelastung der Mutter während der Schwangerschaft. Das Ergebnis: Exposition der Schwangeren mit Feinstaub (PM10) und Stickstoffdioxid führt zu einer verminderten Lungenfunktion beim Neugeborenen und zu Entzündungen der Atemwege. Kinder, die vor der Geburt Luftschadstoffen ausgesetzt sind, haben daher offenbar ein höheres Risiko, später ein allergisches Asthma zu entwickeln. Umgekehrt liegt der Schluss nahe, dass die Reduktion der Luftschadstoffe einen günstigen Effekt auf die Asthmainzidenz bei Kindern haben könnte.

Mit der eNO-Messung Hochrisikokinder früh erkennen
Latzin entdeckte in seinen Untersuchungen den hohen Stellenwert von exhaliertem Stickstoffmonoxid (eNO) bei der Früherkennung von allergischem Asthma. Der Nachweis bestimmter Mengen von eNO in der Atemluft zeigt entzündliche Prozesse in den Atemwegen an. Er war bei Kindern von Müttern mit Stickstoffdioxidbelastung (z. B. durch Autoabgase) erhöht. In einer weiteren Studie untersuchte Latzin den eNO-Wert bei 164 Kindern 34 Tage nach der Geburt und beobachtete das Auftreten von Atemwegsproblemen im ersten Lebensjahr. Er betrachtete vor allem die Kinder von Müttern mit allergischen Erkrankungen oder Raucherinnen. Hieraus ergab sich eine klare Korrelation zwischen erhöhten eNO-Werten und schweren Atemwegsproblemen. Dieses Ergebnis ist vor allem diagnostisch interessant. Ausgeatmetes Stickstoffmonoxid lässt sich schon bei den Kleinsten einfach, schmerzfrei und nicht-invasiv bestimmen. Bereits kurz nach der Geburt können so möglicherweise Kinder mit einem besonders hohen Risiko für allergisches Asthma identifiziert werden.

Anstoß zu weiterer eNO-Forschung
Die Ergebnisse von Latzin rücken eNO bei allergischem Asthma noch mehr in den Fokus der Forschung mit der Chance, innovative diagnostische, präventive und therapeutische Strategien zu entwickeln. So könnte beispielsweise die frühe medikamentöse Hemmung der NO-Bildung bei Kindern möglicherweise die Entwicklung von Asthma verhindern.

Allergie gegen Schimmelpilze schneller erkennen
Einen Namen machte sich Latzin auch auf einem anderen Feld der Pneumologie: der allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (ABPA). Bei dieser Komplikation, die beispielsweise bei Asthma und Mukovsizidose auftreten kann, handelt es sich um eine allergische Reaktion auf Schimmelpilze (Aspergillen). Er entdeckte dass das Chemokin TARC (thymus and activation regulated chemokine) bei dieser Erkrankung erhöht ist. Und er konnte zeigen, dass es allen bisherigen Markern für die Diagnose der ABPA überlegen ist.

Frühe Immunmechanismen für die Entwicklung von allergischem Asthma entscheiden
Die zweite Preisträgerin, die Münchnerin Dr. Bianca Schaub, befasst sich in ihren Forschungsarbeiten mit frühen Immunmechanismen, die entscheidend für die Entwicklung allergischer Erkrankungen und Asthma bei Kindern sind. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine Untergruppe von T-Lymphozyten, die als regulatorischen T-Zellen bezeichnet werden. Sie unterdrücken eine überschießende Reaktion des Immunsystems.

Der internationale Klosterfrau Forschungspreis ist mit 30.000 € dotiert und zeichnet jedes Jahr Wissenschaftler aus, die sich in der Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie von kindlichem Asthma bronchiale verdient machen.

Quelle:
31. Tagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, 28. März 2009, Düsseldorf


2009

Dr. Harald Greve (l., Leitung Wissenschaft und Medizin von Klosterfrau) und der Vorsitzende der internationalen Expertenjury Prof. Dr. Dietrich. Reinhardt (r., Kinder-klinikum München) mit dem diesjährigen Preisträger des Internationalen Klosterfrau-Forschungspreises zur Bekämpfung von Kinder-Asthma Dr. Philipp Latzin (Kinderklinik Bern, Schweiz).

Foto: Klosterfrau Gesundheitsservice

 
 
 
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