Den Ursachen des allergischen Asthmas auf der Spur

Warum bestimmte Abwehrzellen das Immunsystem unnötig „anheizen“

Köln, April 2008.
Allergisches Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt. In Deutschland sind circa fünf Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder betroffen. Trotz moderner Medikamente müssen sich viele Asthmakranke mehr oder weniger mit ihrem Leiden arrangieren und zum Teil erhebliche Einschränkungen im Privat- und Berufsleben hinnehmen. Auf der Suche nach neuen wirksamen Arzneimitteln sind die Vorgänge im Immunsystem in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld der Forschung gerückt. Jetzt hat der deutsche Wissenschaftler Dr. Dominik Hartl aus München erstmals belegen können, dass ein Ungleichgewicht weißer Blutkörperchen bei der Entstehung von allergischem Asthma eine entscheidende Rolle spielt. Dafür wurde ihm der Klosterfrau Forschungspreis 2008 verliehen.

Weiße Blutkörperchen sind die „Heizer“ und „Bremser“ im Immunsystem
Das Immunsystem von Menschen, die unter Asthma leiden, reagiert unangemessen heftig auf an sich harmlose Umwelt-Allergene. Man weiß heute, dass die allergische Entzündungsreaktion, die Ursache für Hustenreiz und Atemnot ist, durch sogenannte TH2-Zellen – ein bestimmter Typ von weißen Blutkörperchen – regelrecht „angeheizt“ wird. Interessant für die Forschung ist, dass die TH2-Zellen in engem Zusammenhang mit einem anderen Typ an weißen Blutkörperchen, den regulatorischen T-Zellen, stehen: Diese „bremsen“ die Funktion der TH2-Zellen und damit die Entzündung. Schon seit längerem vermutet man, gestützt durch Blutuntersuchungen, dass bei Asthmatikern die „Bremser“ der Immunreaktionen nicht richtig funktionieren. Dieser Verdacht konnte nun erstmals bei asthmatischen Kindern bestätigt werden, deren Lungengewebe im Rahmen einer Bronchoskopie untersucht worden war. Der deutsche Wissenschaftler Dr. Dominik Hartl konnte nachweisen, dass in den Gewebeproben die Zahl der regulatorischen T-Zellen tatsächlich herabgesetzt ist und diese in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Folglich kommt es verstärkt zu den überschießenden Reaktionen des Immunsystems mit den bekannten Folgen.

Forschungsarbeit ausgezeichnet
Hartl, dessen Erkenntnisse wichtige Ansätze für die Erforschung neuer Medikamente liefern können, wurde jetzt für seine Arbeit mit dem Klosterfrau-Forschungspreis 2008 ausgezeichnet. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird jährlich für bedeutende Arbeiten auf dem Gebiet des kindlichen Asthmas vergeben.

Literatur:
Hartl et al. Quantitative and functional impairment of pulmoary CD4+CD25hi regulatory T-cells in pediatric asthma. J Allergy Clin Immunol 2007 May; 119 (5): 1258-1268.

Quelle:
30. Tagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie
03. - 05.04.2008, Zürich


2008_forschungspreis

Der Vorsitzende der internationalen Expertenjury Prof. Dr. Dietrich Reinhardt (l., Kinderklinikum München), Dr. Harald Greve (r., Leitung Wissenschaft und Medizin von Klosterfrau) mit dem diesjährigen Preisträger des Internationalen Klosterfrau-Forschungspreises zur Bekämpfung von Kinder-Asthma Dr. Dominik Hartl (Yale University, USA).

Foto: Klosterfrau-Gesundheitsservice

 
 
 
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