Köln, 13. Mai 2003: Erkältungsviren sind für Asthmatiker weit gefährlicher als bisher geglaubt. Denn die Viren vermehren sich entgegen bisheriger Annahme auch in den unteren Atemwegen. Sie lösen dort außerdem Entzündungsreaktionen aus, wie sie für das Asthma typisch sind. Für diese neuen Erkenntnisse, die maßgeblich auf Studien von Dr. Nikolaos Papadopoulos aus Athen zurückgehen, wurde der griechische Forscher mit dem Internationalen Klosterfrau Forschungspreis 2003 ausgezeichnet.
Die Auszeichnung erfolgte nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass durch die neuen Forschungsergebnisse möglicherweise völlig neue Therapieansätze erarbeitet werden können. Denn Infektionen durch Erkältungsviren, den so genannten Rhinoviren, scheinen nach den Arbeiten von Papadopoulos direkt mit akuten Verschlechterungen des Asthma bronchiale in Verbindung zu stehen. Dieser Verschlechterung kann möglicherweise durch eine wirkungsvolle antivirale Behandlung vorgebeugt werden, was einen völlig neuen Ansatz in der Asthmatherapie bedeuten würde.
Virusmehrung im unteren Respirationstrakt
Der griechische Wissenschaftlers beobachtete, dass Rhinoviren -anders als bisher bekannt- nicht nur den oberen Respirationstrakt besiedeln und dadurch die bekannten Erkältungssymptome hervorrufen. Sie dringen auch in die unteren Atemwege ein und können somit an weitaus gravierenderen Atemwegserkrankungen bis hin zum Asthma beteiligt sein. Das gilt um so mehr, als sich die Viren in den unteren Atemwegen gut vermehren können. Dieses Phänomen war bislang ebenfalls nicht bekannt. Den Arbeiten von Papadopoulos zufolge aber stellt die Vermehrung bei 33 bis 37° Celsius für die Viren keinesfalls ein Problem dar. Sie ist unter solchen Bedingungen sogar normal und keinesfalls eine Ausnahme, wie der Wissenschaftler in seinen Arbeiten dokumentierte. Darüberhinaus können Rhinoviren die Zellen, die die Atemwege auskleiden (die Epithelzellen), direkt angreifen und zerstören. Diese ebenfalls bislang unbekannten zelltoxischen Effekte könnten laut Papadopoulos erklären, wie die Viren akute Asthmaanfälle auslösen: Es ist vorstellbar, dass die beim Asthmatiker vorgeschädigten Zellen auf solche zelltoxischen Effekte besonders empfindlich reagieren.
Lösen die Viren den Asthma-Anfall aus? Doch die Rhinoviren, die offenbar fälschlicherweise als vermeintlich harmlose Erkältungsviren angesehen wurden, verursachen in den Atemwegen noch weitere Veränderungen: Sie fördern, so die neuesten Forschungsarbeiten, die Bildung und Freisetzung von Botenstoffen, welche ihrerseits Entzündungsreaktionen auslösen und unterhalten. So wird konkret die Freisetzung der Zytokine Interleukin6 (IL6), IL8 und IL16 stimuliert, welche Entzündungsreaktionen initiieren. Weitere Botenstoffe, deren Bildung durch die Rhinoviren angestossen wird, sorgen dafür, dass bei einer Infektion – analog wie es sonst beim Asthma geschieht – spezielle Entzündungszellen wie die Eosinophilen und die Neutrophilen in das Gewebe der Atemwege einwandern. Damit bahnen die Rhinoviren in den Atemwegen den Weg in eine chronische Entzündung, wie sie für das Asthma bronchiale charakteristisch ist. Bei starker Entzündungsreaktion kann es dadurch zu einer Verengung der Atemwege und damit zu einem akuten Asthma-Anfall kommen, wie der Wissenschaftler vermutet.
Ansatzpunkte für neue Therapieoptionen Ebenso wie Erkältungsviren ein Asthma verschlimmern können, haben sie wahrscheinlich auch einen Einfluss auf allgemeine allergische Reaktionen. Denn sie fördern auch die Bildung von Botenstoffen, die für allergische Reaktionen typisch sind. Diesem Phänomen lässt sich durch kortisonähnliche Medikamente, wie sie auch zur Behandlung der Allergie eingesetzt werden, vorbeugen. Auch in diesem Bereich könnten sich somit durch die neuen Forschungsarbeiten Hinweise für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien ergeben. Der Internationale Klosterfrau-Forschungspreis ist mit 40.000 Schweizer Franken (ca. 27.450 €) dotiert. Mit diesem Beitrag unterstützt das Kölner Unternehmen die Bemühungen um eine Verbesserung der Lebensqualität und Heilungschancen atemwegserkrankter Kinder.
Quelle: 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, 24. - 26. April 2003 in Wien
| Der Vorsitzende der internationalen Expertenjury Prof. Dr. D. Reinhardt (links), Kinderklinikum München, und Dr. Harald Greve (rechts), Leitung Wissenschaft und Medizin von Klosterfrau, mit dem diesjährigen Preisträger des "Internationalen Klosterfrau-Forschungspreises zur Bekämpfung von Kinder-Asthma" Dr. Nikolaos G. Papadopoulos von der Universität Athen. Foto: Klosterfrau-Forschung |