2004 Asthma Bronchiale bei Kindern: Gene und Tabakqualm fördern Entstehung

Münchener Arzt mit dem „Klosterfrau-Forschungspreis 2004“ ausgezeichnet

Köln, 30.03.04. Wenn Eltern rauchen, fördern sie damit die Entstehung von Asthma bei ihren Kindern. Der Pädiater Dr. Michael Kabesch vom renommierten Haunerschen Kinderspital in München hat nun in einer großen Studie zwei Gene identifiziert, welche die gesundheitlichen Folgen, die durch das Passivrauchen entstehen, entscheidend beeinflussen. Für seine wissenschaftlichen Untersuchungen erhielt Kabesch anlässlich der 26. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie in Hamburg den „Klosterfrau Forschungspreis 2004“.

Bronchialasthma ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Etwa ein Zehntel der Kinder unter 10 Jahren sind hiervon betroffen. Die Lebensqualität dieser Kinder ist stark eingeschränkt: Ihre Bronchien sind chronisch entzündet. Sie reagieren extrem auf äußere Reize. Es kommt zu Anfällen von Atemnot, Husten und pfeifender Atmung. Kinder mit Asthma sind in vieler Hinsicht benachteiligt: Unbeschwertes Herumtoben und Spielen im Dreck oder der Kontakt mit Tierhaaren, dies alles kann bereits einen Asthmaanfall auslösen.

Seit langem wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen genetischer Disposition und Umwelteinflüssen bei der Entwicklung von Asthma gibt. Zwei Gene, GSTM1 und GSTT1, die bei der Entgiftung von Schadstoffen aus dem Tabakrauch eine große Rolle spielen, sind bei vielen Menschen so verändert, dass es zu einem vollständigen Funktionsverlust der Entgiftungsenzyme kommt. Nach Schätzungen sind bis zu 50 Prozent aller Menschen von diesem Gendefekt betroffen. Kabesch, der sich seit vielen Jahren mit der Erforschung des kindlichen Asthma bronchiale beschäftigt, prüfte in einer großen Studie, ob das Risiko für Häufigkeit und Schweregrad von Asthma-Symptomen wie Atemnot, Husten und pfeifender Atmung zunimmt, wenn Kinder Tabakrauch ausgesetzt sind.

Der Pädiater untersuchte mehr als 3000 Schulkinder aus München und Dresden im Alter von neun bis elf Jahren. Neben Allergietests wurden Lungenfunktion und Bronchialfunktion bestimmt. Es wurde untersucht, ob bei den Kindern die beiden Gene GSTM1 und GSTT1 verändert waren oder nicht. Die Eltern befragte Kabesch unter anderem zu ihren Rauchgewohnheiten.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass Kinder, die den Gendefekt aufwiesen und gleichzeitig starkem Passivrauchen in ihrer Umgebung ausgesetzt waren, ein dramatisch erhöhtes Risiko für Asthma aufwiesen. Die Symptome nahmen um so deutlicher zu, je mehr Zigaretten geraucht wurden. Auch ungeborene Kinder sind von den Auswirkungen durch mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft betroffen: Noch im Alter von 10 Jahren ist bei Kindern, die diesen Gendefekt tragen, eine deutlich schlechtere Lungenfunktion im Vergleich zu gleichaltrigen Kindern von Nichtrauchern nachweisbar.

Kinder sollten unbedingt vor den Auswirkungen des Passivrauchens geschützt werden, fordert Kabesch als Konsequenz aus den Ergebnissen seiner Studie. Er rät den Eltern, dringend mit dem Rauchen aufzuhören. Die Ergebnisse seiner Studie liefern dazu ein weiteres starkes Argument.

Der mit 30.000 € dotierte internationale Klosterfrau Forschungspreis wird alljährlich für wissenschaftliche Arbeiten zur Bekämpfung des kindlichen Asthma bronchiale, der häufigsten chronischen Erkrankung bei Kindern in der westlichen Welt, verliehen.

2004_a_beitrag_100x140 Der Vorsitzende der internationalen Expertenjury Prof. Dr. D. Reinhardt (rechts), Kinderklinikum München, und Dr. Harald Greve (links), Leitung Wissenschaft und Medizin von Klosterfrau, mit dem diesjährigen Preisträger des "Internationalen Klosterfrau-Forschungspreises zur Bekämpfung von Kinder-Asthma" Dr. Michael Kabesch von der Ludwig Maximilians Universität München.

Foto: Klosterfrau-Forschung

 
 


 
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